Montag, 10. Juli 2017

Besuch der Demos gegen den G20-Gipfel mit Hindernissen


Nein, ich verlasse mich nicht nur auf die Berichterstattung Anderer.
Nur all zu oft sind solche "Reportagen" doch recht weit von der Wirklichkeit entfernt.
Und selbst auf Die Zeit-Online ist heutzutage nicht immer Verlaß.

Also begab ich mich am Freitag, dem 7.07.2017, selbst auf Schusters Rappen auf in Richtung Demo.
Reihte ich mich am vergangenen Sonntag noch, zusammen mit meiner Frau, so richtig auf der Straße in die friedlich verlaufende Demo ein, so sollte dieser Freitag, der 7. Juli 2017 doch recht anders verlaufen - ich war das, was man gemeinhin so als "Öffentlichkeit" bezeichnet, denn die ist ja auch ein Ziel der Demonstranten.

So gegen 16:30 wollte ich eigentlich los ziehen, aber da kam kurz vorher noch ein Computer-Notruf bei mir an; also ging ich erst einmal zur Nachbarschaftshilfe.
Als ich dann endlich mit dem Auto zum Bahnhof Neuwiedenthal fahren konnte, da war es schon 18 Uhr.
Und da kam dann die erste Überraschung:
Mein Wunschparkplatz in einer ruhigen Seitenstraße war für mich unerreichbar. Da stand ein Peterwagen mit Blaulicht quer und blockierte die Einfahrt.
Also mußte ich mir einen anderen ruhigen Parkplatz suchen, bei dem ich nicht um mein kleines Wägelchen fürchten mußte, daß es dort abgefackelt werden könnte.

Um genau 18:27 Uhr löste ich meine Tageskarte und wollte mit der S-Bahn bis zum Dammtor-Bahnhof fahren.
Aber Pustekuchen.
Auf dem Bahnsteig angekommen begrüßte mich eine Lautsprecherdurchsage, daß es da Störungen auf der Strecke gäbe und daß mit Verspätungen zu rechnen sei.
Aber wider Erwarten kam dann doch die S3 nach knapp 5 Minuten.
Na, dachte ich, das wird dann ja wohl doch nicht so schlimm werden.
Aber wieder hatte ich mich zu früh gefreut.
Die S-Bahn fuhr im üblichen Tempo los und wurde dann aber wieder immer langsamer.
In den Tunnel zur Station Heimfeld schlich sie dann nur noch hinein und blieb dann nach ca. 300 Metern ganz stehen.
Es folgte eine gut verständliche Lautsprecherdurchsage im Zug, daß da vor uns das Gleis besetzt wäre.
Nun, besetzt von Menschen oder von einem anderen S-Bahnzug?
Es scheint ein anderer Zug gewesen zu sein, wie wir später dann auch selbst erfahren durften. Denn auf dem Wege nach Wilhelmsburg erhielten wir die freundliche Lautsprecherdurchsage, daß wir uns ab jetzt "von Bahnhof zu Bahnhof  vortasten" würden, weil es da weitere Signalstörungen gäbe und man "auf Sicht fahren" müsse.
Überraschenderweise ging die Weiterfahrt aber doch recht zügig vonstatten.

Als ob mich da eine gewisse Vorahnung für den späteren Abend warnen wollte, entschloß ich mich, doch schon am Hauptbahnhof auszusteigen und nicht bis zum Dammtor-Bahnhof zu fahren.
Auf dem Vorplatz des Bahnhofs (mit Blick auf die Mönckebergstraße und Spitalerstraße) angekommen, wurde ich von einer recht großen Fahrraddemo begrüßt.
Die Radfahrer fuhren immer im Kreis herum auf recht unterschiedlichen Strecken:
Hauptbahnhof - Meßberg - Ballindamm - Hauptbahnhof
Zeitweilig quollen sie aber auch aus der Mönckbergstraße hervor und fuhren dann wieder in Richtung Binnenalster - als ihren Mit-Demonstranten auf der anderen Fahrbahnseite entgegen.

Ich wanderte vom Hauptbahnhof zur alten Lombardsbrücke und an deren Ende dann an der Binnenalster entlang und konnte auch, ungehindert von den dortigen Polizei-Kräften, am Hotel "Vier Jahreszeiten" vorbei spazieren.
Der Jungfernstieg war in blau flackerndes Licht getaucht (obwohl es noch hell war), das von den unzähligen dort geparkter Mannschaftswagen der Polizei stammte.
Daß die Blaulichter trotz längerer Parkzeiten fleißig weiter leuchteten mag wohl als ein Signal an mögliche Hitzköpfe unter den Demonstranten gedacht sein.
Ich empfand dieses blaue Lichtermeer jedenfalls als bedrohlich und die Stimmung aufheizend.

So gegen 21 Uhr macht ich mich dann über die Mönckebergstraße auf in Richtung Hauptbahnhof, um dann noch mit der S-Bahn weiter zum Dammtor-Bahnhof zu fahren - ich hatte ja eine Tageskarte, also warum sollte ich immer nur laufen. So ein gemütlicher Sitzplatz wie in der S-Bahn ist hier draußen ja meilenweit nicht zu finden.
Die Mönckebergstraße wurde gerade von den hunterten Radfahrern befahren, als sich aus der Richtung vom Rathaus her eine Fahrzeugkolonne der Polizei mit Blaulicht und Martinshorn näherte und sich den Weg durch die Masse der Radler zu bahnen versuchte. Aber in Höhe von von C&A blieben sie dann doch jämmerlich stecken und auch ihre Lautsprecher-Durchsagen halfen da nicht so recht.
Die zahlreichen, auf dem Fußweg stationierten, Polizisten griffen zu meiner Verwunderung nicht in diese Blockade ein . . .

Wieder am Hauptbahnhof angekommen, beobachtete ich eine Weile das Geschehen rund um diese Radfahrer-Demo.
So gegen 21:40 Uhr wurde am Hauptbahnhof eine, von der Lombardsbrücke her kommende, Motorrad und Fahrzeugkolonne, von den Radlern für eine kleine Weile recht erfolgreich blockiert. Da half auch nicht deren ohrenbetäubendes Martinshorn Getöse und das die Gegend blau beleuchtende Geflacker auf ihren Fahrzeugen.
Von dem Geschehen habe ich auch ein kurzes Video. Dieses kann ich hier allerdings erst in den Blog einfügen, nachdem ich es ein wenig bearbeitet habe.

Auf dem Bahnsteig im Hauptbahnhof angekommen kam auch schon prompt eine S-Bahn in Richtung Dammtor.
Das war so gegen 22:50 Uhr.
Aber wir kamen nur bis zum anderen Ende der Lombardsbrücke - und dann war's Schluß mit Lustig!
Im Zug kam die erste Lautsprecherdurchsage mit dem Hinweis, daß wir hier wohl eine Weile stehen bleiben würden.
Dann kam eine Durchsage, daß nun auch leider die Lichter im Zug und auch die Lüftungsanlagen abgeschaltet werden müßten, da der Strom am Gleis abgestellt werde.
Und Schwupps, die Lichter gingen aus und es brannte nur noch die Notbeleuchtung.
Nach weiteren Durchsagen kam dann die Meldung, daß die Türen der S-Bahn auf der rechten Seite geöffnet würden, wir doch aber bitte nicht ins Gleisbett herab springen sollten. Tröstlich war dabei der Hinweis, daß die Feuerwehr zur Evakuierung des Zuges angefordert wäre, man aber noch nicht wisse, wann diese kommen würde.
Aber die Fahrgäste ließen sich nicht mehr bremsen und kletterten aus den Waggons und marschierten die rund 400 Meter bis zum Dammtor-Bahnhof.
Mir half ein kräftiger junger Mann, der noch von Altona aus nach Kiel fahren wollte, aus dem Waggon.
Er nahm meinen Pullover und meinen Krückstock und hängte Beides auf das Geländer am Bahndamm. Ich setzt mich auf den Fußboden an der Tür der S-Bahn und er umfaßte mich an der Hüfte und hob mich zu sich herab.
Danke an den mir leider unbekannten Helfer.
Genau um 22:25 Uhr befand ich mich auf dem Bahndamm und auf meinen Marsch zum Bahnhof Dammtor.
Die ganze "Fahrt" vom Hauptbahnhof bis zum Dammtor-Bahnhof dauerte also eine gute halbe Stunde in der Nacht!

Ein kleiner HINWEIS bezüglich der Fotos und Videos in meinen Blogs:
Es handelt sich in der Regel um von mir bearbeitetes Fortomaterial von eigenen Aufnahmen.
Diese unterliegen dem Urheberrechts-Schutz.
Wer also so ein Bildmaterial weiter verwenden möchte, der möge mir diesen Wunsch bitte vorher mitteilen. Meine eMail-Adresse findet ihr in meinem Impressum.


Die Fahrzeug-Kolonne mit den Begleitfahrzeugen der Polizei 
wurde am Hauptbahnhof in Höhe der Mönckebergstraße von der Fahrrad-Demofür kurze Zeit blockiert.


Fußmarsch im Dunkeln am Gleisbett der S-Bahn
in Richtung Dammtor-Bahnhof


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